Was versteht man unter Kata - Judoclub Tiroler Oberland

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Was versteht man unter Kata?

Kata ("grundlegende Form, Gestalt, Modell, zeremonielle Vorführung") ist ein Begriff aus den japanischen Kampfkünsten und bezeichnet die stilisierte Form eines Kampfes gegen einen oder mehrere reale oder imaginäre Gegner, wobei Verteidigung, Angriffe und Gegenangriffe in festgelegter Abfolge und Ausführungsart geübt werden.
Sie berührt auch noch heute viele Bereiche des japanischen Alltagslebens (z.B. Schrift, Architektur, Haltung, Benehmen, Teezeremonie, Papierfalten, ...).

Für die klassischen kriegerischen Künste in Japan war die Kata, ein Üben nach Vereinbarung, eine Grundtrainingsart. Die meisten Ryu (Schulen) kannten kein Randori (Freies Üben). Viele der gelehrten Techniken waren bei nicht eingeübter Ausführung tödlich. Deshalb wurden sie in Form von Kata unterrichtet, bei denen zunächst Situationen des Schlachtfeldes nachgestellt oder Scheingefechte vereinbart wurden. Nur auf diese Weise konnten die Samurai ihre Kampfkünste ohne größere Verletzungen mit den Mitgliedern ihrer Ryu ausüben.

Kata werden im Judo - im Unterschied zu anderen Kampfkünsten - zusammen mit einem Partner durchgeführt.

Wenn ein Judoka in seiner Graduierung fortschreitet wird er mehr Verständnis und Wertschätzung für die mit einhergehenden Anwendungen erwerben (in der Kata verborgen). Basisszenarios können dem Judoka gelehrt werden, aber das bedeutet nur, dass der Geist des Lernenden angeregt und geöffnet werden soll für die vielen anderen Möglichkeiten jeder Technik. Es ist wichtig, den Sinn der Form zu verstehen und sie dann zu trainieren - und sich dabei einen (imaginären) Gegner vorzustellen. Es wird angenommen, dass eine gut performte Kata sowohl physisch als auch mental anstrengender ist  als drei Minuten Randori.

Grundgedanke 1: Kata ist Analyse und Strukturierung des Judo-Wissens.
Grundgedanke 2: Kata fördert die mentale Auseinandersetzung mit Technik und Prinzipien des Judosports.
Beide Grundgedanken sprechen für eine "Wiederbelebung" des Kata-Übens.

Judo wurde von Jigoro KANO als ein pädagogisches System geplant. Die Grundsätze sind Anweisungen für das tägliche Leben, sie gehen über das Mattengeschehen hinaus. Ziel des Judo-Übens ist die Persönlichkeitsentwicklung.

Zwei Übungsformen, nämlich Kata und Randori erschienen KANO geeignet, dieses Ziel zu erreichen. Kata stellt dabei ein regelmäßiges System von Übungen dar, Randori hingegen die freie Anwendung. Während in der Kata technische und geistige Prinzipien des Judos in Reinform "erlebt" und "dargestellt" werden, ist Randori deren Umsetzung unter widrigen Bedingungen.

Kata ist Analyse des Judo, seiner Wirkungsweisen und judo-technische Reinform. Somit schein der Begriff "Grammatik" passend. Kata ist zugleich das Erklären der Wurzeln der Sportart Judo aus den Kampfkünsten der Samurai (Techniküber-lieferung), erhebt aber zugleich auch den Anspruch der Strukturierung von aktuellem Judo-Wissen unter standardisierten Bedingungen.

Es gibt viele Wege die alle zum gleichen Ziel führen. Der Phantasie des Lehrers sind  keine   Grenzen gesetzt, aber alle Trainingsformen gruppieren sich um die drei Hauptmethoden:

  • KATA (Üben einer oder mehrerer Techniken mit Partner, der sich verabredungsgemäß verhält)

  • RANDORI (freies Üben, Übungskampf  (Shobu) ohne den letzten Einsatz)

  • SHIAI (Wettkampf)


Das Studium der KATA, der Form, eines Wurfes oder einer Folge von Würfen ist für die Entwicklung einer ausgefeilten Technik genau so wichtig wie das Lernen grammatischer Regeln beim Studium einer Fremdsprache.
Sensei YAMAMOTOS Ansicht zum Judo: Kata stelle die Grammatik dar, Randori entspräche den Sätzen, dem Satzgefüge und dadurch erst könne man im Shiai eine Geschichte erzählen oder schreiben.
Wer Judo nur betreibt, um Medaillen zu erringen, habe Judo nicht verstanden. Denn ohne Grammatik gibt es keine Sätze, ohne Sätze keine Geschichte!

Der Partner weiß genau was mit ihm geschieht, wie er sich zu bewegen hat, damit die zu studierende Technik überhaupt angewandt werden kann und wie er sich anders bewegen - sprich verteidigen müsste, damit sie unmöglich wäre.

Die KATA-Methode garantiert, dass trotz der Vielfalt der möglichen Variationen und der persönlichen Eigenheiten des Lehrers ein gewisser Standard in den Techniken
überall erhalten bleibt und verbreitet wird.


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